Oschersleben im Bauboom

Von André Ziegenmeyer | Wanzleber Volksstimme | 10.08.2020

Arbeit an verschiedenen Großprojekten der Bewos schreitet zügig voran

Auf Oscherslebens Großbaustellen geht es voran. Sowohl am historischen Bahnhof, als auch an der neuen Schwimmhalle, der Stadtmühle und dem ehemaligen Kaufhaus O. gibt es deutliche Fortschritte.

Oschersleben | Mario Fischer hat gut zu tun. Der Stuckateur stellt an der Fassade des Bahnhofes historische Fenster-Verzierungen wieder her. Dafür bleibt ihm nicht viel Zeit. Anfang September soll das Baugerüst verschwinden. Bis dahin muss die Fassade fertig sein. Schließlich sollen die Arbeiten am Außengelände noch vor dem Winter beginnen. So berichtet es Thomas Harborth. Er ist der Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos.

Das Unternehmen ist in Oschersleben für eine ganze Reihe von Großbaustellen zuständig. Neben dem Bahnhof gehören dazu der Bau einer neuen Schwimmhalle, das geplante Jugendzentrum, die Stadtmühle und das ehemalige Kaufhaus O. in der Innenstadt. An all diesen Orten werden Millionen investiert. Allein beim Areal aus Bahnhof, Schwimmhalle und Jugendzentrum, die in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander liegen, werden die Kosten mit 17 Millionen Euro veranschlagt. „Alles in allem bearbeiten wir hier eine Fläche von rund 15 000 Quadratmetern“, so Thomas Harborth.

In Oschersleben gibt es nur wenige „weiße Flecken“

Über den Fortschritt der Arbeiten hat sich vor Kurzem eine Gruppe von CDU-Politikern informiert. Die Initiative dazu ging von Guido Heuer aus. Er wird nächstes Jahr bei der Landtagswahl als Direktkandidat für den neu geschaffenen Wahlkreis Oschersleben-Wanzleben antreten. Derzeit hat er das Mandat für den bisherigen Wahlkreis Wanzleben inne. Außerdem mit dabei waren: der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Claus-Christian Kühne, Hans Walker und Rüdiger Breier, die beide für die CDU im Stadtrat sitzen, sowie Marlinde Lehmann vom CDU-Ortsverband Oschersleben.

Wie Thomas Harborth erklärte, gebe es dank der verschiedenen Bauprojekte nur noch wenige „weiße Flecken“ in Oschersleben. Einer davon sei beispielsweise die ehemalige Germania-Brauerei an der Breitscheidstraße. Keine andere Kommune im Landkreis könne derzeit so viele Großprojekte vorweisen.

Der Oschersleber Bahnhof wurde 1843 eingeweiht. Damit gehörte zu den ersten Bahnhöfen in Deutschland. Nach seiner Sanierung soll das Gebäude der Bewos als Firmensitz dienen. Das Unternehmen zieht dann von der Wasserrenne ins Zentrum der Stadt. Darüber hinaus sind mehrere Gewerbeeinheiten geplant. Wie Thomas Harborth informiert, sind alle bereits vergeben – mit Ausnahme des alten Mitropa-Bereiches im hinteren Teil des Bahnhofes. Nach den Vorstellungen von Stadt und Bewos soll dort wieder eine Gastronomie entstehen. Doch die Suche nach einem Pächter läuft laut Thomas Harborth noch. Wenn sich zeitnah ein Interessent fände, hätte das den Vorteil, dass dessen Gestaltungsideen noch in die laufende Sanierung einfließen könnten. Die feierliche Eröffnung des Bahnhofsgebäudes ist für Mitte des nächsten Jahres geplant. Derzeit ist im Inneren noch viel zu tun. Die meisten Wände sind noch nicht verputzt, die Fußböden nur vorläufig.

Im Atrium des Bahnhofes hat die Bewos im Zuge der Sanierung gusseiserne Säulen vom Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Sie waren im Inneren von gemauerten und gefliesten Pfeilern verborgen. Laut Thomas Harborth gibt es derzeit Gespräche mit dem Denkmalschutz, ob eine dieser Säulen wieder eingehüllt werden soll. So würde ihre Gestaltung zur DDR-Zeit wieder deutlich. Die anderen beiden Säulen sollen in jedem Fall frei sichtbar bleiben. Die Nachbarschaft des Bahnhofs zur Schwimmhalle sei „perfekt“. Denn so sei Letztere auch für Gäste von außerhalb gut zu erreichen. Gemeinsam würden Schwimmhalle und Bahnhof als „ideale Werbeträger“ für Oschersleben dienen, so Thomas Harborth.

Bahnhofsgebäude soll Mitte 2021 eröffnet werden

Das Jugendzentrum wiederum soll östlich des Hallenbades entstehen.„Der Bauantrag soll im Herbst gestellt werden“, verrät Thomas Harborth. In diesem Fall sei jedoch die Stadtverwaltung der Bauherr. Die Bewos fungiere nur als „Projektsteuerer“. Das habe den Vorteil, dass die Fäden für die drei benachbarten Bauvorhaben in einer Hand zusammenlaufen. Das biete die Möglichkeit für Synergien. Wie der Bewos-Geschäftsführer erklärt, wird das Jugendzentrum voraussichtlich zwei Millionen Euro kosten. Für das Außengelände werde noch einmal die gleiche Summe fällig. Der Baubeginn sei für das kommende Frühjahr geplant. Anfang Dezember 2020 solle das Richtfest für die Schwimmhalle gefeiert werden.

Auch auf dem Gelände der ehemaligen Stadtmühle wird es in den nächsten Tagen spannend. Dort will die Bewos ein dreigeschossiges Gebäude mit 43 Wohnungen und Tagespflege errichten. Nach Fertigstellung wird sie der Kreisverband Börde des Deutschen Rotes Kreuzes als Pächter und Betreiber übernehmen. Ende August sollen die Arbeiten an der Bodenplatte beginnen. Vorher ist jedoch noch etwas anderes nötig: Knapp 140 Betonsäulen mit einer Länge von bis zu zwölf Metern werden in den Boden gegossen. Dabei werden laut Thomas Harborth rund 500 Tonnen Beton verbaut. „Auf Rammpfähle verzichten wir, weil sie einen enorme Lärmbelastung mit sich brächten“, erklärt der Geschäftsführer. Die Arbeiten seien notwendig, weil der Baugrund sonst nicht ausreichend tragfähig sei. Dabei spiele die Nähe zur Bode eine Rolle. Laut Thomas Harborth gibt es für das betreute Wohnen bereits 50 Interessenten.

Das ehemalige Kaufhaus O. in der Innenstadt war die letzte Station des Rundgangs. Es ist durch die Bewos umfangreich saniert worden und steht kurz vor seiner Vollendung. „Im August werden im Inneren noch letzte Arbeiten für das Erdgeschoss erledigt“, verriet Thomas Harborth. Dort wird die AOK als erster neuer Mieter im Oktober einziehen. Die Stadtverwaltung werde ihre Büros im zweiten Obergeschoss im Dezember einrichten. Dazwischen, im ersten Obergeschoss, wird es Gewerbeeinheiten geben. Davon sind fünf bereits vermietet. Laut Thomas Harborth ziehen die Mieter in den ersten Monaten des Jahres 2021 ein.

Quelle: Wanzleber Volksstimme, erschienen am 10.08.20, S. 8